Thomas Sonnenburg

RTL-Streetworker analysiert die S-Bahn-Schläger

Aus: tz München (www.tz-online.de) vom 15.09.2009

Bild: tz-online.de

München - Haben die S-Bahn-Schläger so viel Verständnis verdient? RTL-Streetworker Thomas Sonnenburg („Die Ausreißer“) meint: An derartiger Aggression sind auch die Gesellschaft und Computerspiele schuld.

Jugendliche auf Abwegen sind sein Spezialgebiet. Streetworker Thomas Sonnenburg holt in der RTL-Sendung „Die Ausreißer“ Teenager von der Straße. Sie sind von zu Hause ausgebüchst, haben meist auch Probleme mit Alkohol und Drogen. Mit seiner kumpelhaften Art versucht der 46-Jährige ihr Vertrauen zu gewinnen. In der RTL-Sendung „Extra“ sprach Sonnenburg am Montagabend über die S-Bahn-Attacke von München. Der studierte Sozialarbeiter sucht vor allem die Gründe für deratige Aggressions-Ausbrüche. Er meint: Brutale Schläger wie Markus S. (18) und Sebastian L. (17) werden nicht als Verbrecher geboren sondern zu Tätern gemacht. Eine Mitschuld an solchen Gewaltausbrüchen tragen oft Famile, Gesellschaft oder Computerspiele.

Sonnenburg wörtlich in RTL-Extra:

"Wichtig ist, die Persönlichkeit zu erkennen. Den Menschen als Gesamtpersönlichkeit wahrzunehmen und so auch ihm zu begegnen. Wichtig ist, trotz einer gewissen Karriere, eine Achtung gegenüber dem Jugendlichen zu haben. Das ist für mich mein Grundansatz. Weil er nicht vordergründig das Arschloch ist, sondern bestimmte Umstände haben junge Menschen in ihrer Entwicklung zu so etwas gemacht. Das können viele Umstände sein. Das kann die Familie sein, das kann die Gesellschaft sein. Das können aber auch solche blöden Computerspiele sein, die im Übermaß konsumiert werden. Auch da gibt es ja Forschungen und Nachweise, die herauskristallisiert haben, woher in unserer Gesellschaft Gewalt kommt."

Später will das RTL-Magazin vom Streetworker noch wissen: Hätte der tödliche Angriff auf Dominik B. (50) verhindert werden können? Für Sonnenburg stellt sich in diesem Zusammenhang vor allem die Frage, ob der couragierte Manager die Schläger auch pädagogisch korrekt angesprochen hat. Im TV sagte er:

"Man sollte sich genau überlegen, wie man, egal in welcher Situation man ist, junge Menschen anspricht. Man sollte aufpassen, dass man nicht als Erstes gleich anfasst, weil das sofort als Bedrohung aufgefasst wird. Reden ist die richtige Form gewesen. Wie er es gemacht hat, weiß ich nicht. Ob er zu derbe war oder zu hart, sind alles Dinge, die ich nicht bewerten kann. Aber was er gemacht hat, hat er richtig gemacht."

Zypries: Erwachsenenstrafen bringen nichts

Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries setzt auf Pädagogik statt auf Knast. Im Interview mit dem „Münchner Merkur“ lehnt die Ministerin ab, Jugendliche Schläger wie den 18-jährigen Markus S. nach Erwachsenenstrafrecht zu bestrafen. Zypries:

„Geld haben Jugendlichen in der Regel ja nicht, und im Gefängnis haben sie nicht die Möglichkeit, das zu lernen, was ihnen fehlt: Sozialkompetenz. Nach dem Jugendstrafrecht kann man dagegen auch Arbeits- und Sozialstunden verhängen, bei denen Jugendliche oft erstmals in ihrem Leben feste Bindungen und Strukturen erleben.“

fro

Gefunden auf: www.tz-online.de

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