Thomas Sonnenburg

Quote mit "ehrlichem Fernsehen"

Aus: Neue Rhein Zeitung (NRZ), 03.02.2009

LEBENSHILFE. Neue Staffel von "Die Ausreißer" startet erfolgreich. Thomas Sonnenburg und Team für Grimme-Preis nominiert.

KÖLN/BERLIN. Sie leben im Wald, unter Brücken und in Abbruchhäusern, wohnen bei Männern, die doppelt so alt sind wie sie selbst, wachen verkatert auf und schlafen betrunken oder bedröhnt ein. Sie sind erst 15, 16 oder 17 Jahre alt und haben doch mehr erlebt, als die meisten Erwachsenen. Sie sind "Die Ausreißer" und waren dem TV-Publikum eher unbekannt. Bis der Streetworker Thomas Sonnenburg kam und ihnen in der RTL-Serie nebst tatkräftiger Unterstützung auch Namen gab - Jenny, Nicole und Marlies. Die zweite Staffel von "Die Ausreißer - Der Weg zurück" ist mit großem Erfolg gestartet. Nachdem das Coaching-Format den Deutschen Fernsehpreis 2008 erhielt, ist es nun für den Grimme-Preis vorgeschlagen.

Punkerclique statt Familienleben

"Die Ausreißer" machen Quote mit Qualität. Sechseinhalb Millionen Zuschauer hatte zuletzt die fünfte Folge der neuen Staffel. Die verfolgten, wie Sonnenburg sich mit Bodil (17) auseinandersetzte, die das vermeintlich spießige Familienleben im Reihenhaus gegen eine obdachlose Punkerclique austauschte. Heute geht es um die 17-jährige Marlies, die nach Dauerstreit mit ihrer Schwester ins Partyleben abdriftet.

Sonnenburg (45) ist der Mann fürs Grobe und fürs Herz zugleich, der sich mit Kapuzenpulli und Schimanski-Jacke aufmacht, um in Thüringen, Bayern oder Hamburg nach verlorenen Seelen und Lebensträumen zu suchen. Er kann barsch sein und sein Klientel liebevoll umarmen. Er kann zuhören. Dreck, Suff und Elend schrecken ihn nicht. Er kann zornig werden, aber er wird nie zynisch. "Ich mache", sagt er, "nichts anderes als viele andere engagierte Kollegen auch." Doch bei Thomas Sonnenburg ist das Fernsehen mit dabei. "Das hat dazu beigetragen, die Menschen zu sensibilisieren, für unsere Arbeit und für die obdachlosen Jugendlichen." Nach der letzten Sendung habe es 12 500 Zugriffe auf seine Website gegeben: "Junge Leute fragen, wie man Sozialarbeiter wird."

Wie erklärt er sich den Erfolg? "Wir machen ehrliches Fernsehen," sagt Sonnenburg. "Ich mache das, was ich seit 16 Jahren als Streetworker mache." Und weil die Kameras mit dabei sind, wird der Umgang mit den Ämtern einfacher: "Da geht es plötzlich ganz schnell, wenn ich sage, ich brauche für einen Jugendlichen eine Wohnung." Aber es gebe auch Kritik: "Manche Kollegen finden es falsch, mit unserer Arbeit an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie werfen uns vor, die Jugendlichen vorzuführen." Sonnenburg sieht das nicht so. Schließlich gebe er konkrete, praktische Tipps: "Für eine Mutter, deren Kind abgehauen ist, ist es doch wichtig zu wissen, dass man im ´Sleep In´ in Berlin als Minderjähriger zwölf Nächte im Monat schlafen darf!"

Es sind erschütternde Geschichten, die Sonnenburg und sein Team auftun, wie die von David, der sich das Leben nahm, oder Nicole, die mit 15 Mutter wurde. Sonnenburgs härtester Fall ist Jenny, die zum Frühstück eine halbe Flasche Schnaps leerte, um den Rest des Tages Geld für Bier und Fusel zu schnorren. Sonnenburg hat sie nicht aus den Augen verloren, wie auch die anderen Straßenkids nicht. "Die meisten Kontakte finden ohne Kameras statt. Natürlich begleiten wir die Jugendlichen weiter, wenn die Dreharbeiten beendet sind." Mit Jenny gibt es ein Wiedersehen - in der Sendung am 18. Februar.

Gefunden auf: » www.derwesten.de

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Medien-Echo

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